Sauberes Trinkwasser ist kein Selbstläufer – es erfordert Weitsicht, Technik und Investitionen. Die Rheinhessische setzt im Hochbehälter Heidesheim auf innovative Lösungen, um neben Nitrat vor allem die „Ewigkeits-Chemikalien“ PFAS aus dem Wasser zu reduzieren. Das Ziel: die Qualität langfristig zu sichern. Ein Blick hinter die Kulissen einer zukunftsweisenden Infrastruktur.
Historische Wurzeln, moderne Herausforderungen.
Die Karlsquellen in Heidesheim sind ein seltenes Zeugnis von Wasserleitungen aus dem frühen Mittelalter. Sie stammen aus der Zeit Karls des Großen und basieren auf römischer Wasserbaukunst. Ab 1949 nutzt die Verbandsgemeinde Heidesheim die Quellen für die Trinkwasserversorgung. Damals galten sie als zuverlässige Quelle. Heute gibt es eine neue Herausforderung: Nitratbelastung. Die Salze der Salpetersäure dienen oft als Dünger in der Landwirtschaft und sind sehr gut wasserlöslich. Am Hochbehälter Heidesheim liegt der Wert mit 75 Milligramm pro Liter deutlich über dem gesetzlichen Grenzwert von 50 mg/l. Um die Sicherheit zu gewährleisten, mischt die Rheinhessische das Quellwasser gezielt mit nitratarmem Wasser aus Mainz und Ingelheim. Zusätzlich desinfiziert sie das Wasser aus den Karlsquellen mit ultraviolettem Licht (UV- Licht), einer sehr natürlichen Methode. Doch das ist erst der Anfang.
PFAS: die „Ewigkeits-Chemikalien“.
Seit den 1950er-Jahren verbreiten sich Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) – auch bekannt als „Ewigkeits-Chemikalien“ – in der Umwelt. Sie sind in Imprägnierungen, Antihaftbeschichtungen oder Feuerlöschschäumen enthalten und gelangen über Industrieeinleitungen, Klärschlamm oder Auswaschungen in den Wasserkreislauf. Das Problem: PFAS bauen sich nicht ab, reichern sich im Körper an und können gesundheitliche Risiken wie erhöhte Cholesterinwerte, Störungen des Immunsystems oder sogar Krebs bergen. Ab 2026 gelten verschärfte Grenzwerte:
- 2026: 0,1 Mikrogramm (μg/l) pro Liter für 20 PFAS-Verbindungen.
- 2028: 0,02 μg/l für vier besonders kritische Verbindungen (PFOA, PFNA, PFHxS, PFOS).
Grenzwerte am Limit.
Im reinen Quellwasser am Hochbehälter Heidesheim werden beide Grenzwerte derzeit noch eingehalten. Doch der PFAS-4-Wert würde ab 2028 zu hoch liegen:
| Parameter | Einheit | Gehalt | Grenzwert |
| Nitrat | mg/l | 75.000 | 50.000 |
| Summe Nitrat/50 und Nitrit/3 | mg/l | >1,5167 | 1,0000 |
| Pflanzenbehandlungsmittel gesamt | μg/l | 0,0400 | 0,5000 |
| Summe PFAS-20 | μg/l | 0,1970 | 0,1000 |
| Summe PFAS-4 | μg/l | 0,1600 | 0,0200* |
| *Grenzwert ab 2028 |
Die Trinkwasseranalyse der Rheinhessischen finden Sie hier.
„Als wir festgestellt haben, dass die zukünftigen PFAS-Grenzwerte hier nicht mehr sicher eingehalten werden können, war klar: Abwarten ist keine Option. Deshalb haben wir uns frühzeitig auf die Suche nach einer Lösung gemacht.“
Alexander Reitz, Geschäftsbereichsleiter Technischer Service
Warum kein Membranverfahren?
Die Rheinhessische handelt proaktiv, hat sich aber gegen ein gängiges Verfahren entschieden: das Membranverfahren, auch Umkehrosmose genannt. Dabei würde PFAS-haltiges Wasser anfallen, das aufwendig entsorgt werden müsste. Die Entscheidung fiel auf ein effizientes und nachhaltiges Verfahren.
Innovative Lösung: Aktivkohlefilter als Gamechanger.
Seit Ende Juli 2026 ist im Hochbehälter Heidesheim eine Aktivkohlefilteranlage im Einsatz. Das Prinzip: Das Wasser durchfließt Behälter mit Aktivkohle, die PFAS bindet. In der aktuellen Testphase kommen insgesamt zwei Mal zwei Kubikmeter Aktivkohle zum Einsatz, die den Bedarf am Standort decken – inklusive Redundanz für Wartungsarbeiten. Wie die Anlage zukünftig dimensioniert wird, entscheidet sich nach Abschluss des Tests. Auch die Handhabung gestaltet sich unkompliziert: Die Kohle muss nur einmal jährlich abgelassen und bei 1.000 Grad Celsius reaktiviert werden, ein Prozess, der PFAS rückstandsfrei zersetzt. Und tatsächlich überzeugt das Ergebnis der ersten Tests in Heidesheim: Zweiwöchige Proben zeigen null PFAS – ein voller Erfolg.
„Wir gehören damit zu den ersten Wasserversorgern in Deutschland, die eine solche Lösung im Praxisbetrieb testen. Entsprechend aufmerksam verfolgen andere Stadtwerke unsere Erfahrungen hier in Heidesheim.“
Alexander Reitz, Geschäftsbereichsleiter Technischer Service
Wasserqualität: Laufende Bemühungen und Investitionen.
Eine hohe Wasserqualität ist keine Selbstverständlichkeit. Hinter jedem Liter Trinkwasser stecken Infrastruktur, Überwachung und Investitionen. Die Rheinhessische betreibt einen enormen Aufwand, um die zukünftige Wasserqualität und Verfügbarkeit auf dem bekannten Niveau zu halten. Die zunehmende Wasserknappheit, Belastungen durch Chemikalien, das Speichern, die Mischung mit Wasser aus anderen Quellen und die Weiterverteilung bis zu den Haushalten erfordern ständig hohe Investitionen. Das wird sich auch zwangsläufig auf den Wasserpreis auswirken. Für die Rheinhessische ist jedoch klar, eine sichere Wasserversorgung beruht auf laufenden Bemühungen und langfristigen Investitionen.
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