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Ein Gasschiff mit 4 großen, weißen kugelförmigen Tanks auf dem Ozean. Der Himmel ist klar und blau, und das Wasser ist ruhig. IgorSPb, iStock
Energiemarkt aktuellErdgasGasversorgung

Energiewende: Welche Zukunft hat Erdgas in Deutschland?

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Seit Beginn der Energiekrise 2021/22 hat sich der Fokus in Deutschland von der kurzfristigen Versorgungssicherheit hin zur langfristigen Gaswende verlagert. Die Bundesrepublik hält an Ihrem Ziel der Klimaneutralität bis 2045 fest. Erdgas wird dabei schrittweise durch klimaneutrale Alternativen ersetzt. Die Rheinhessische beantwortet die wichtigsten Fragen zur aktuellen Lage und der Zukunft von Gas in Deutschland.

Welche Rolle spielt Erdgas noch auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045?

Fakt ist, dass Erdgas als Brennstoff in den nächsten Jahren Stück für Stück durch klimaneutrales Gas ersetzt wird. Dafür infrage kommen grüner Wasserstoff und Biomethan. Die Gas-Alternativen der Zukunft erfordern allerdings eine massive Transformation der Infrastruktur.

Die Rolle der klimaneutralen Gase im Überblick.

Gas-Typ

Rolle in der Zukunft

Aktueller Stand

Erdgas

Brückentechnologie für Industrie und Restwärme

Europa will bis Ende 2027 vollkommen unabhängig von russischem Erdgas sein

Biomethan

Dezentrale und schnell verfügbare Gas-Alternative

Kann bereits heute in die vorhandene Leitungsinfrastruktur eingespeist werden

Grüner Wasserstoff (H₂)

Langfristiger Haupt-Energieträger für Industrie und Speicherung

Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes bis 2032 geplant

Grüner Wasserstoff: Der Schlüssel zur Dekarbonisierung.

Mit Ökostrom erzeugter, CO2-freier Grüner Wasserstoff gilt als zentraler Hoffnungsträger auf dem Weg in die klimaneutrale Zukunft. Das Potenzial ist riesig, insbesondere zur Speicherung und im Industriesektor.

  • Wasserstoff-Kernnetz: Das deutsche Wasserstoffnetz soll bis 2032 aufgebaut werden und die industriellen Zentren verbinden.
  • Beimischung: Schon heute leistet grüner Wasserstoff einen Beitrag zur Wärmewende, da er bereits bis zu einem Anteil von 20 Prozent dem Erdgas im Verteilnetz beigemischt werden kann.
  • H₂-ready: H₂-ready-Heizungen sind Gasgeräte, die auf den Betrieb mit 100 Prozent Wasserstoff umrüstbar sind – ein wichtiges Kriterium für die zukünftige Gas-Infrastruktur.

Biomethan: Die sofort verfügbare Alternative

Heimisches Biogas lässt sich aufbereiten und dann als Biomethan in die vorhandene Leitungsinfrastruktur einspeisen. Es spielt eine wichtige Rolle, um die Abhängigkeit von fossilem Gas kurzfristig zu reduzieren und die Gasnetze zu nutzen.

Die Wärmewende: Was das GEG für Gasheizungen bedeutet.

Die Weichen für die Abkehr von fossilen Energieträgern sind mit dem Ziel Klimaneutralität bis 2045 gestellt. Das reformierte Gebäudeenergiegesetz (GEG) beschleunigt diesen Prozess, insbesondere im Wärmemarkt.

  • Die 65-Prozent-Regel: Das GEG schreibt seit dem 1. Januar 2024 vor, dass neue Heizungen, abhängig von der kommunalen Wärmeplanung, schrittweise mindestens 65 Prozent ihrer Wärme aus erneuerbaren Energien gewinnen (z.B. Wärmepumpen oder Biomasse-Heizungen) müssen.
  • Gasheizungen im Bestand: Bestehende Gasheizungen dürfen weiterbetrieben und repariert werden. Ein Austausch ist erst nach Ablauf von 30 Jahren Pflicht oder wenn sie defekt sind.
  • Umrüstungsoption: Zukünftige Gasheizungen müssen auf Basis der kommunalen Wärmeplanung auf grüne Gase (H₂/Biomethan) umgestellt werden können.

Der aktuelle Stand: Versorgungssicherheit und Preise.

Nach der Krise im Jahr 2022 hat sich die Ausgangslage in Deutschland durch massive Anstrengungen in der Infrastruktur sowie die Erschließung neuer Bezugsquellen deutlich verbessert. Die Versorgungssicherheit für Deutschland ist stabil.

 

Speicherstände und neue Importquellen.

  • Gasspeicher: Deutschland ist viel besser vorbereitet als 2022. Die Gasspeicher erreichten im Herbst (1. November 2025) Füllstände von 70 Prozent. Damit wurde die Zielvorgabe über alle deutschen Speicher erfüllt. Auch nach europäischen Vorgaben gilt der Füllstand als ausreichend. Am 5. Februar 2026 waren die Gasspeicher zu 29,2 Prozent gefüllt.
  • LNG-Terminals: Deutschland hat massiv in eigene, schwimmende Flüssigerdgas-Terminals (LNG) investiert, zum Beispiel in Wilhelmshaven, Lubmin und Brunsbüttel. Die Kapazität dieser Terminals macht etwa die Hälfte der Gasmenge aus, die 2021 aus Russland importiert wurde.
  • Importquellen: Den Großteil seiner Importe bezieht Deutschland nach wie vor über Pipelines, vorrangig aus Norwegen, Belgien und den Niederlanden. Indirekt gibt es weiterhin Importe von russischem Flüssigerdgas über belgische und niederländische Häfen. Aber auch damit soll ab Anfang 2028 laut EU endgültig Schluss sein.

Die Preisentwicklung: CO2-Kosten.

Preisniveau: Die Gaspreise haben sich gegenüber dem Krisenherbst 2022 entspannt, liegen aber weiterhin über dem Vorkrisenniveau.

  • Der CO2-Preis: Die nationale CO2-Besteuerung fossiler Brennstoffe erhöht die Kosten für Erdgas jährlich. Dieser Preis soll einen Anreiz zum Umstieg auf klimafreundliche Alternativen schaffen.
  • Die Kosten werden auf jede Tonne ausgestoßenes CO2 Die Einnahmen fließen in den Klima- und Transformationsfonds (KTF) zur Finanzierung der Energiewende.

Jahr

CO2-Preis pro Tonne (CO2/t)

Auswirkung auf Erdgaspreis (ca. €-Cent/kWh)

2025

55 EUR

~ 0,99 €-Cent/kWh

2026

Korridor zwischen 55 € und 65 €

~ 1,18 Cent/kWh

Ab 2027       

Ablösung durch den EU ETS 2

Marktabhängig

  • ETS 2: Ab 2027 wird voraussichtlich der europäische Emissionshandel (ETS 2) für Gebäude und Verkehr die Bepreisung fossiler Brennstoffe regeln und so die Kosten weiter erhöhen.

Entlastungen und Ausblick.

  • Zur Abfederung der steigenden Kosten für Bürger:innen und zur Entlastung bei den Netzentgelten sind staatliche Förderprogramme und Entlastungsmechanismen vorgesehen.

    • Zum Beispiel wurde das Mietrecht geändert. Gemäß dem CO₂-Kostenaufteilungsgesetz (CO2KostAufG) müssen seit 1. Januar 2023 nicht mehr die Mieter:innen allein die Mehrkosten tragen, auch die Vermieter:innen werden zur Kasse gebeten – je nach Energieeffizienz des Gebäudes.
    • Es war ferner geplant, die Einnahmen aus dem CO2-Preis als pauschales Klimageld pro Kopf an die Bürger:innen zurückzuzahlen, um die finanzielle Belastung auszugleichen. Davon rückt die neue Bundesregierung aber gerade ab. Sie will die Gelder aus dem Topf des Klima- und Transformationsfonds , in den die CO2-Preis-Einnahmen fließen, für andere Entlastungsmaßnahmen verwenden, etwa für die Absenkung der Stromnetzentgelte 2026, Förderungen für den Heizungstausch oder den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur.

Was passiert, wenn es doch zu einem Engpass kommen sollte?

Es steht nicht zu erwarten, dass sich die Situation von 2022 wiederholen könnte, aber: Kommt es zu einem Engpass – auch Gasmangellage genannt –, greifen in Deutschland ausgefeilte Sicherungsmechanismen nach dem Notfallplan Gas. Dieser teilt sich in die Stufen Frühwarn-, Alarm- und Notfallstufe. Vom 23. Juni 2022 bis 31. Juni 2025 galt die Alarmstufe, am 1. Juli 2025 rief das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die schwächere Frühwarnstufe aus.

  • Frühwarnstufe: Behörden, Energieversorger und Industrie beobachten und analysieren laufend die aktuelle Energiesituation, es finden aber keine Eingriffe in den Markt statt.
  • Alarmstufe: Die Gasversorgung wird durch marktbasierte Aktionen gesichert, etwa durch Zugriff auf Gasspeicher-Reserven und den Wechsel auf alternative Energieträger.
  • Notfallstufe: Erst in dieser Stufe übernimmt die Bundesnetzagentur und kann Zwangsmaßnahmen anordnen, zum Beispiel die Abschaltung von Industriekunden.

    Schutz: Haushalte und Einrichtungen wie Krankenhäuser stehen dabei unter einem besonderen Schutz – ihnen wird so lange Gas geliefert, wie es physikalisch zur Verfügung steht.

 

FAQs zur Zukunft der Gasversorgung.

Wird Erdgas in Deutschland in Zukunft verboten?

Nein. Erdgas wird nicht verboten, aber seine Rolle ändert sich. Im Zuge der Klimaneutralität bis 2045 wird Erdgas schrittweise durch klimaneutrale Alternativen wie Grünen Wasserstoff und Biomethan ersetzt. Das bestehende Gasnetz soll für diese grünen Gase umgerüstet werden.

Was bedeutet „H₂-ready“ bei einer Gasheizung?

„H₂-ready“ (Wasserstoff-fähig) bezeichnet Gasheizungen, die technisch so konstruiert sind, dass sie heute mit Erdgas betrieben werden können, aber durch eine einfache Umrüstung später auch mit 100 Prozent reinem Wasserstoff. Dies ist wichtig, um die Langlebigkeit neuer Anlagen zu gewährleisten.

Wie wirkt sich die CO2-Besteuerung auf den Gaspreis aus?

Die nationale CO2-Besteuerung macht die Nutzung von fossilem Erdgas von Jahr zu Jahr teurer. Sie wird auf jede Tonne CO2 erhoben, die beim Verbrennen von Gas entsteht. Der Preis wird schrittweise angehoben, um einen lenkenden Effekt zu erzielen. Er soll fossile Energie teurer machen und dadurch private Haushalte und Unternehmen motivieren, in klimafreundliche Technologien wie Wärmepumpen, PV-Anlagen, Dämmung zu investieren.

Gibt es eine Entlastung für Mieter:innen wegen der CO2-Kosten?

Ja. Die Kosten der CO2-Besteuerung werden im Mietverhältnis zwischen Vermieter:in und Mieter:in aufgeteilt. Je schlechter die Energieeffizienzklasse des Gebäudes ist, desto höher ist der prozentuale Anteil, den die Vermieter:innen tragen müssen.

Was ist das „Klimageld“?

Das Klimageld war eine Idee der Ampel-Regierung, die vorsah, die Einnahmen aus der CO2-Besteuerung pauschal an alle Bürger:innen pro Kopf zurückzuzahlen. Allerdings will die schwarz-rote Koalition diesen Mechanismus nicht mehr umsetzen. Sie präferiert andere Entlastungsmaßnahmen aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF), in den die CO2-Einnahmen fließen.

Welche Frist gilt für den Bau einer Gasheizung nach dem GEG?

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt seit dem 1. Januar 2024 vor, dass neue Heizungen, abhängig von der kommunalen Wärmeplanung, schrittweise mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen müssen. Bestehende Gasheizungen dürfen weiterbetrieben und repariert werden.

Wann ist mit einem flächendeckenden Wasserstoffnetz in Deutschland zu rechnen?

Die Bundesregierung plant, das Wasserstoff-Kernnetz in Deutschland bis 2032 aufzubauen. Dieses wird zunächst industrielle Zentren und Häfen verbinden. Der flächendeckende Ausbau in den Verteilnetzen für Haushalte erfolgt sukzessive und hängt von den regionalen Gegebenheiten ab.

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