In Wackernheim entsteht gerade etwas, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Feuerwehr der Gemeinde aber eine große Rolle spielen wird: ein neuer Trinkwasserbehälter. Die Rheinhessische Energie- und Wasserversorgungs-GmbH baut den Hochbehälter, der aus Kunststoff – genauer gesagt Polyethylen – besteht und unter der Erde liegt. Doch was verbirgt sich hinter diesem Projekt, und warum ist es so wichtig für die Region?
Mehr Sicherheit und garantierte Wasserqualität.
Der neue Behälter ist nicht nur ein einfacher Wassertank. Er übernimmt eine zentrale Funktion in der lokalen Wasserversorgung. Zum einen dient er als Speicher für Quellwasser, das in Wackernheim gewonnen wird. Zum anderen ermöglicht er die gezielte Mischung dieses Quellwassers mit Trinkwasser aus dem Wasserwerk Eich in Rheinhessen. Das ist notwendig, weil das örtliche Quellwasser leicht erhöhte Nitratwerte aufweist. Durch die Mischung wird sichergestellt, dass das Wasser, das schließlich bei den Bürgerinnen und Bürgern aus der Leitung fließt, den strengen gesetzlichen Vorgaben entspricht und absolut sicher ist. Doch das ist noch nicht alles. Der Behälter hat auch eine wichtige Rolle für den Brandschutz: Im Ernstfall steht der Feuerwehr zusätzliches Löschwasser zur Verfügung. So kann sie im Notfall schneller und effektiver reagieren.
Warum ein neuer Wasserbehälter?
Wackernheim nutzt seit jeher das örtliche Quellwasser für die Trinkwasserversorgung. Doch dieses Wasser enthält etwas mehr Nitrat, als die gesetzlichen Grenzwerte erlauben. Nitrat ist eine Stickstoffverbindung, die vor allem durch Düngemittel aus der Landwirtschaft ins Grundwasser gelangt. Um das Problem zu lösen, hat die Rheinhessische ein cleveres System entwickelt. Das Quellwasser aus Wackernheim wird mit Trinkwasser aus dem Wasserwerk in Eich gemischt. Im Ausnahmefall (Überschuss im Wasserwerk Blumengarten, bei Wartungsarbeiten oder Störungen) kommt Wasser aus Heidesheim. Im Hochbehälter werden die beiden Wasserströme automatisch im richtigen Verhältnis zusammengeführt. So wird sichergestellt, dass die Nitratwerte im fertigen Trinkwasser deutlich unter den Grenzwerten liegen.
„Mit dem neuen Hochbehälter können wir das in Wackernheim gewonnene Wasser besser nutzen. Die Mischung im Rohrsystem ermöglicht es uns, die Wasserqualität einfacher zu kontrollieren und anzupassen. So erreichen wir Nitratwerte, die deutlich unter den Grenzwerten liegen – und das bei höchster Versorgungssicherheit.“
Nico Gehindy, Netzmanager bei der Rheinhessischen
Wie funktioniert das System?
Technik im Verborgenen.
Zwei Kammern mit je 250 Kubikmetern.
Der neue Behälter besteht aus zwei Kammern, die jeweils 250.000 Liter Wasser fassen können. Das entspricht etwa dem Volumen von 1.500 gefüllten Badewannen. Hier wird künftig das Wasser aus den Quellen in Wackernheim und aus dem Wasserwerk Eich beziehungsweise Heidesheim gesammelt. Ein Pumpwerk fördert dann im Normalbetrieb 20 Kubikmeter Wasser pro Stunde. Im Brandfall kann es sogar 48 Kubikmeter pro Stunde liefern, was etwa zwei vollen Tankwagen entspricht.
Mischung im Rohr – präzise und effizient.
Anders als viele vielleicht denken, wird das Wasser nicht in einem großen Becken gemischt, sondern in einem speziellen Mischrohr, der sogenannten Schieberkammer. Dort werden die beiden Wasserströme automatisch im richtigen Verhältnis zusammengeführt. Das hat den Vorteil, dass die Rheinhessische die Wasserqualität ständig kontrollieren und anpassen kann. „Die besondere Herausforderung dabei ist, dass in Zeiten großer Nachfrage die Wackernheimer Quellen nicht schnell genug ausreichende Mengen liefern“, sagt Nico Gehindy. „Theoretisch müssten wir also mehr Wasser vom Lieferanten zukaufen. Doch dank des Hochbehälters als Speicher kann das Mischungsverhältnis konstant gehalten werden.“
Warum Polyethylen und nicht Beton?
Früher wurden Wasserbehälter meist aus Beton gebaut. Doch die Rheinhessische setzt hier auf Kunststoff – genauer gesagt Polyethylen (PE). Das hat mehrere Gründe: Polyethylen ist ein Material, das sich durch seine Langlebigkeit und Flexibilität auszeichnet. PE-Behälter lassen sich vorfertigen und dann vor Ort einbauen, was die Montagezeit deutlich verkürzt. Zudem ist Polyethylen korrosionsbeständig, das heißt, es rostet nicht und hält Jahrzehnte, ohne dass Reparaturen nötig sind. Ein weiterer Vorteil ist die Anpassungsfähigkeit: Kunststoffbehälter können besser an unebene Böden angepasst werden als Betonkonstruktionen. Da der Behälter unterirdisch liegt, stört er das Landschaftsbild nicht. Lediglich kleine Erhebungen im Boden, die umgangssprachlich als „Maulwurfshügel“ bezeichnet werden, deuten auf seine Existenz hin. Das ist ein weiterer Pluspunkt für die Akzeptanz in der Bevölkerung.
Was bedeutet das für Wackernheim?
Erklärt in Bezug auf Wasserqualität, Brandfälle, Wasserdruck und wirtschaftliche Vorteile.
Gesicherte Wasserqualität.
Durch die genaue Mischung von Quell- und Trinkwasser wird sichergestellt, dass die Nitratwerte deutlich unter den Grenzwerten bleiben. Alexander Reitz, als Geschäftsbereichsleiter Technischer Service bei der Rheinhessischen für den Betrieb des Trinkwassernetzes zuständig: „Das ist ein wichtiger Schritt, um die Trinkwasserqualität in Wackernheim langfristig zu sichern.“
Mehr Sicherheit im Brandfall.
Der neue Behälter dient nicht nur der Trinkwasserversorgung, sondern auch als Löschwasserreserve. Was bedeutet, dass die Feuerwehr im Ernstfall mehr Wasser zur Verfügung hat, um Brände schnell und effektiv zu bekämpfen. Dies erhöht die Sicherheit für alle Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde.
Stabiler Wasserdruck.
Dank des Hochbehälters bleibt der Wasserdruck im Netz konstant – auch wenn viele Haushalte gleichzeitig Wasser verbrauchen. Besonders in Spitzenzeiten, zum Beispiel morgens oder abends, ist das ein großer Vorteil.
Wirtschaftliche Vorteile.
Da der Behälter als Puffer dient, muss die Rheinhessische weniger Wasser von externen Lieferanten zukaufen, wenn die Nachfrage hoch ist. Das spart Kosten und macht die Versorgung unabhängiger von externen Faktoren.
Aktueller Stand: Prüfung der Naturverträglichkeit.
Bevor der Bau am Jahresende losgeht, müssen einige wichtige Vorarbeiten erledigt werden. Eine davon ist die Naturverträglichkeitsprüfung. Dabei wird begutachtet, wie sich das Projekt auf die lokale Tier- und Pflanzenwelt auswirkt. Besonders im Fokus stehen dabei Eidechsen, die in der Region leben. Eine Kartierung – also eine genaue lokale Erfassung der Tiere – soll sicherstellen, dass sie nicht gestört werden. Den Bau selbst führt einUnternehmen aus Ingelheim durch. Das stärkt nicht nur die regionale Wirtschaft, sondern zeigt auch, dass die Rheinhessische auf bewährte Partner aus der Region setzt. In Betrieb gehen soll der neue Hochbehälter um den Jahreswechsel 2026/2027.
Ein Projekt mit vielen Vorteilen.
Der neue PE-Trinkwasserbehälter in Wackernheim ist ein wichtiger Schritt für die Zukunft der Gemeinde. Er gewährleistet mehr Sicherheit, eine hohe Wasserqualität und eine verlässliche Versorgung – sowohl heute als auch in den kommenden Jahrzehnten. Durch die Verwendung von Polyethylen und die unterirdische Bauweise wird das Projekt nicht nur effizient, sondern auch umweltfreundlich umgesetzt. Für die Bürgerinnen und Bürger von Wackernheim bedeutet das: Sie können sich auf eine sichere und hochwertige Trinkwasserversorgung verlassen. Gleichzeitig profitiert die Gemeinde von einer verbesserten Löschwasserversorgung und einem stabilen Wasserdruck. Ein Projekt, das in mehrfacher Hinsicht überzeugt.
Mehr zum Thema Trinkwasser finden Sie hier.
https://www.rheinhessische.de/blog/auch-in-zukunft-bestes-trinkwasser-fuer-ingelheim.html
https://www.rheinhessische.de/blog/trinkwasser-die-reise-von-wasserkalle.html
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